Oliver Gabrian
16.09.2010
10:00

Rückblick 10 Jahre INFRA WEST

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser,

vor knapp zehn Jahren gründeten die Stadt Ratingen, das Immobilienunternehmen LEG und die ortsansässigen Schulen gemeinsam das engagierte Projekt INFRA WEST, das die Kurzform für ‚Initiativen für Ratingen West’ von Anfang an als Namen trägt. Seitdem arbeiten alle Beteiligten mit außergewöhnlich großem Engagement daran, die Bewohner und Institutionen von West besser miteinander bekannt zu machen und ihre gemeinsamen Interessen zu nutzen. Die Schüler des Stadtteils sehen sie dabei als kompetente und kreative Partner.

Wir blicken in diesem Jahr auf die erste Dekade INFRA WEST zurück und stellen mit Stolz fest, dass die Geschichte unseres Projekts eine echte Erfolgsstory ist. Wir haben unter diesem Projektnamen erfolgreich die vorhandenen Strukturen genutzt und ausgebaut. Eine Grundvoraussetzung für das Gelingen unserer Bemühungen war eine wichtige, wenn auch simple Einsicht: Wir haben erkannt, dass die Schulgemeinde aus mehr als ‚nur’ Schülern besteht. Sie ist ein Gefüge aus Eltern, Verwandten und Bekannten. Mit ihr als Ausgangspunkt hatten wir von Beginn an eine gute und breite Basis für unser Projekt. Die preisgekrönte Schulkabarett-Gruppe ‚Westhäkchen’, die Technik AG des Bonhoeffer-Gymnasiums und die ZeltZeit, die seit 1998 die Ratinger zu Pfingsten an den Grünen See lockt, sind nur einige der Projekte, die durch unsere Kooperation entstanden sind. Ihr Erfolg spricht für unser Konzept.

INFRA WEST hat auch in den Jahren 2007 und 2008 mit seinen sozialen Projekten den Austausch gefördert. Dafür steht besonders das Projekt ‚Info Treffpunkt West’. Das neue Stadtteilbüro hat die Probephase erfolgreich durchlaufen und ist zur festen Instanz und Anlaufstelle für die Menschen in West geworden. Hier informieren sie sich über Krabbelgruppen, Sportangebote, Mutter-Kind-Kuren und vieles mehr. Die Mitarbeiter helfen allen Besuchern gerne weiter. Neben wichtigen Informationen vermitteln sie Ansprechpartner, vereinbaren Termine, stellen Kontakte her und geben ihren Kunden das gute Gefühl menschlicher Nähe.

Bei Kindern ist es besonders wichtig, ihre Kreativität zu fördern und sie mit ihren Begabungen nicht sich selbst zu überlassen. An der Martin-Luther-King Gesamtschule rief man deshalb 2007 ein Kreativprojekt ins Leben, das junge Talente fördert. Die Kinder der Klassen fünf bis acht erprobten sich an den wöchentlichen Terminen im freien Umgang mit verschiedenen Materialien. So erschaffte jedes Kind seine eigene Welt und verwirklichte sich selbst.

Für die Vermittlung unterschiedlicher Standpunkte setzten sich die Mitarbeiter der Projekte ‚Mediation’ und die ‚Streitschlichter’ der Martin-Luther-King-Gesamtschule ein. In beiden Projekten zeigte man den Kindern und Jugendlichen, wie sie Konflikte durch Gespräche lösen und somit auf Gewalt verzichten. Dadurch, dass bei den ‚Streitschlichtern’ die Schüler selbst zu Vermittlern werden, ist das Projekt besonders nachhaltig. Daher wurde es auch 2008 weiter geführt.

Auch die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften in West gehen aufeinander zu und laden sich gegenseitig zu ihren Veranstaltungen ein. Einen großen Schritt machte dabei der jüdische Kulturverein ‚Schalom’, der aktiv das Gespräch mit Christen und Muslimen sucht. Ob Rosch Ha-schanah, Pessachfest oder Jom Kippur, zu allen Feierlichkeiten nahmen auch Andersgläubige die Einladung gerne an. Auch auf unserem gemeinschaftlichen Weihnachtsmarkt trafen sich 2007 und 2008 nach monatelangem Basteln und Proben die verschiedenen Religionen und Kulturen von West harmonisch zusammen – und tauschten sich rege aus.

Sogar Schmuck ist durch INFRA WEST schon entstanden. Denn Teil der Initiative ist auch die Förderung des Kurses Sozialwissenschaften der Klasse neun des Bonhoeffer-Gymnasiums. Als die LEG begann, das erste ‚Papageienhaus’ in West zum ‚Himmelshaus’ zu modernisieren, entwickelten die Schüler die Idee, aus den alten, bunten Fassadenteilen Schmuck herzustellen und an die Bewohner des Stadtteils zu verkaufen. Dabei halfen über Eltern und Bekannte viele Menschen und Firmen mit. Der Schmuck ist mittlerweile ausverkauft.

INFRA WEST spiegelt als Initiative im Kleinen wieder, was sie selbst im Großen – dem Stadtteil West – bewirken will. Dabei bringen sich alle Beteiligten wirtschaftlich und menschlich ein. Rund 200.000 Euro investierte die Stadt, rund eine halbe Million Euro gab die LEG in den vergangenen zehn Jahren hinzu. Nicht bezahlbar sind die übrigen Investitionen wie Ideen, Freizeit und das Herzblut der Projektbeteiligten und ehrenamtlichen Helfer, die sich in die Projekte einbringen. 

Die ZeltZeit ist zu einem Aushängeschild unserer Bemühungen geworden. Sie macht eindrucksvoll deutlich, wie gut sich die verschiedenen Institutionen miteinander vernetzt haben. Die Jubiläums-ZeltZeit zog in ihrem zehnten Jahr die Rekordbesucherzahl von rund 15.000 Menschen an den Grünen See. Mittlerweile ist sie eins der bedeutendsten Kultur- und Kabarett-Festivals in NRW, doch daran mussten alle Beteiligten hart arbeiten. Der Erfolg der Veranstaltung beruht nicht zuletzt auf einem farbenfrohen Cocktail aus lokaler und überregionaler Kultur. Die Hauptakteure sind neben Größen wie Herbert Knebel die Ratinger selbst. Ob beim Trödelmarkt, bei sportlichen Wettkämpfen wie dem ZeltZeit-Lauf oder bei den Vorführungen lokaler Künstler – die ZeltZeit vereint lokale Kompetenzen und bringt Menschen dazu, sich auszutauschen und gemeinsam etwas zu schaffen.

Nach zwei weiteren erfolgreichen Arbeitsjahren von INFRA WEST ziehen wir zufrieden das Fazit, dass Ratingen West einen guten Ruf verdient. Es ist höchste Zeit, dass dieser Standort auch von der breiten Öffentlichkeit so wahrgenommen wird, wie er wirklich ist: positiv, innovativ und auf der Höhe seiner Zeit. Die Menschen in West haben ihren Stadtteil schon vor langer Zeit angenommen und mitgeholfen, ihn zu dem zukunftsfähigen Standort zu machen, der er heute ist. Sie alle leben gerne hier, denn sie wissen um seine zahlreichen Qualitäten.